Receive Updates

No spam guarantee.

Flow im Beruf

Flow im Beruf

Mihaly Csikszentmihalyi (geb. 1934) ist Professor für Psychologie an der University of Chicago und ein renomierter Fachbuchautor. Er bezeichnet sich als »Glücksforscher« und hat während seiner Schaffenszeit die sogenannte Flow-Theorie aufgestellt. Das englische Wort Flow (dt. fließen) steht in diesem Zusammenhang für Tätigkeitsrausch oder Tätigkeitslust.
Flow
Die Flow-Theorie besagt, dass ein Mensch während einer (z. B. beruflichen) Tätigkeit, die ihm ein bestimmtes Maß an Konzentration abverlangt, in eine Art »Flow-Zustand« geraten kann, der sich durch mehrere körperliche und psychische Merkmale beschreiben lässt, darunter beispielsweise

  • dass der Betroffene fähig ist, sich auf sein Tun/seine Arbeit zu konzentrieren
  • Anforderung und Fähigkeit stehen in einem ausgewogenen Verhältnis, sodass einerseits keine Langeweile durch Unterforderung und andererseits keine Angst oder Blockade durch Überforderung entsteht
  • Handlung und Bewusstsein verschmelzen – oftmals mit dem Effekt, dass dem Betroffenen Sorgen oder Belange, die nichts mit dem gerade bearbeiteten Thema zutun haben, während des Flow-Zustandes in Vergessenheit geraten
  • das Zeitgefühl verändert sich (»man bemerkt nicht, wie schnell die Zeit vergeht«).

Als körperliches Merkmal sei zu erwähnen, dass in der Vergangenheit Untersuchungen an mehreren Probanden eine mögliche Veränderung der Pulsfrequenz belegen konnten.

Ein Flow-Zustand, auch kurz: Flow, im Berufsleben sorgt in aller Regel für eine effektive Arbeitsweise.Der »Arbeiter« ist agil aber dennoch sicher (geringe Fehlerwahrscheinlichkeit).

Eine wichtige Voraussetzung, um in einen Flow geraten zu können ist, dass die Aktivität deutliche Ziele hat. Sie muss zum einen

  • unmittelbare Rückmeldungen liefern und zum anderen
  • autotelisch sein.

Eine unmittelbare Rückmeldung erfährt man zum Beispiel beim Rasenmähen. Mit jedem Quadratmeter erkennt man einen Fortschritt an seiner Arbeit – »man sieht sofort, was man geschafft hat« -, während beim Sähen von Pflanzen keine unmittelbare Rückmeldung erfolgt, denn erst nach einigen Tagen kann man sehen, was dabei herausgekommen ist.

Autotelisch bedeutet, dass die Tätigkeit ihre Zielsetzung bei sich selbst hat. Ein Unternehmer, der ein Werbekonzept ausarbeitet und den Druck von Flugblättern in Auftrag gibt, verfolgt das primäre Ziel, seine Umsätze zu steigern, nicht aber schöne Flugblätter hervorzubringen. Die Druckerei, die die Flugblätter produziert, hat dagegen sehr wohl das primäres Ziel, hochwertige Ware (Flugblätter) zu produzieren. Für sie hat die Tätigkeit ihre Zielsetzung bei sich selbst.

Die meisten Aufgabenstellungen, die an Software-Entwickler gestellt werden, begünstigen einen Flow-Effekt. Denn die Arbeitsweise eines Informatikers erfolgt zumeist derart, dass er anhand eines Pflichtenheftes (das ist im Prinzip ein Anforderungsprofil, in dem beschrieben ist, was ein Programm »können« muss) ein Rechnerprogramm oder einen Programmteil entwickelt, indem er den Quelltext (Programm-Code) in seinen PC eintippt und anschließend überprüft, ob dieser – entweder überhaupt oder seinen Vorstellungen entsprechend – funktioniert. Im Regelfall stellt er dann fest, dass sein erstelltes Programm noch verbesserungswürdig ist, nimmt im Quelltext (kleine) Veränderungen vor, lässt das Programm daraufhin wieder »laufen« und stellt unmittelbar eine Veränderung fest, die sich als Verbesserung der vorherigen Version ausweisen aber dennoch weiter optimiert werden kann, sodass der Entwickler weitere Nacharbeiten an seinem Produkt vornimmt usw. (Dies lässt vermuten, dass Entwickler iterativ arbeiten…)

Die Zeitintervalle, in denen er die Qualität seiner Programmierarbeit überprüfen kann, sind in der Regel »kurz genug«, um dem Entwickler eine Rückkopplung seiner Arbeitsqualität in kurzen Zeitabständen zu gewährleisten. Er kann also schnell erkennen, was er »geschafft« hat. Dieser Effekt ist, wie bereits erwähnt, eine der wichtigsten Voraussetzungen, in einen Flow zu geraten. Somit ist das Ziel der unmittelbaren Rückmeldung erreicht.

Ferner hat Programmierarbeit die Zielsetzung bei sich selbst (Autotelie). Der Informatiker will ein funktionierendes Programm entwickeln (primäres Ziel). Er muss jedoch nicht das Ziel verfolgen zu erfahren, zu welchem Zweck, von wem oder wie effektiv sein Produkt letztlich genutzt wird.

Ausgehend davon, dass Software-Entwickler als Fachkräfte nicht überfordert sind von gewöhnlichen Aufgabenstellungen aber auch keine Langeweile empfinden, denn selbst in einer einfachen Programmieraufgabe verbirgt sich eine gewisse Herausforderung, ist eine weitere wichtige Bedingung erfüllt, einen Flow-Effekt zu erleben.

Abschließend lässt sich sagen: Es gibt etliche berufliche Tätigkeiten, die für den Anwender die Voraussetzungen für einen Flow erfüllen. Die Arbeit eines Software-Entwickler ist hier als Beispiel für eine dieser Tätigkeiten beschrieben.

Comments are closed.