Wissensarbeiter, die im Team arbeiten

Gemeinsam geht mehr

Unsere Gesellschaft, vor allem die Wirtschaft, befindet sich in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess von einer industriellen Prägung hin zu einer Wissensgesellschaft. Der Anteil Wissensarbeitermanueller Routinetätigkeiten in der Arbeitswelt geht stetig zurück und macht heute schon deutlich weniger als ein Viertel der Gesamtprozesse aus. Im gleichen Maß steigt der Anteil der Wissensarbeiter in den Unternehmen. Über ein Drittel der Tätigkeiten kann heute diesem Bereich zugeordnet werden. Ein Trend, der sich fortsetzen wird, die Wissensarbeit ist ein unerlässlicher Faktor, damit die Unternehmen mit Produktqualität oder individuell erstellten Lösungen ihre Marktstellung behaupten können. In manchen Organisationen wie etwa High-Tech-Firmen oder bei Softwareentwicklern, Forschungsinstituten und Finanzdienstleistern dominiert die Wissensarbeit längst alle Strukturen und Prozesse.

Produktionsfaktor Wissen

Wissensarbeit gründet in erster Linie auf individuellen Denkprozessen, stellt aber auch weitere Anforderungen an den Menschen. Sie ist kein einmaliger, abgeschlossener Lernvorgang wie ein Studium, sondern fordert von ihren Protagonisten kontinuierliches Revidieren und Verbessern ihrer Wissensbasis. Diese Entwicklung findet individuell statt, im Sinne des Erfolgs und wegen der Komplexität jedes Fachbereichs aber auch in einem produktiven Wechselspiel mit den Kollegen oder in der Gesamtheit eines Unternehmens. Obwohl Wissensarbeiter Individualisten sind, die nicht wie Arbeiter am Fließband ohne Weiteres miteinander oder nacheinander ein gemeinsames Produkt herstellen können, lassen sich aus ihnen effektive Teams formen.

Vor allem aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Experten oder dem Einbezug externer Wissensarbeiter ergeben sich immer neue Impulse für eine Problemstellung oder ein Projekt. Dabei werden klassische, starre Unternehmensstrukturen wie Abteilungen oder pyramidale Hierarchien immer durchlässiger und verschwinden schließlich ganz. Wissensbasierte Unternehmen sind flach organisiert und bilden agile Systeme aus. Managementaufgaben werden von der Unternehmensspitze an die Basis umverteilt. Jeder einzelne Wissensarbeiter ist gleichzeitig auch Manager seines Bereichs und Kommunikator im Team und im gesamten Unternehmen.

Ansätze zur Umsetzung von Wissensarbeit in Teams

Die großangelegte Hays-Studie zur Wissensarbeit in Unternehmen hat es 2012 sehr deutlich gemacht. Beim Austausch zwischen Wissensarbeitern und ihrer Vernetzung sahen die Befragten noch erheblichen Nachholbedarf für die Unternehmen. Datenbanken zum übergreifenden Wissensmanagement scheinen etabliert, während Social Media in diesem Bereich oft noch auf Skepsis stößt.

Zeitlich oder thematisch abgegrenzte Projektarbeit hat sich als wesentliches praktisches Werkzeug für eine organisierte Wissensarbeit bewährt. Sie erreicht ihre größte Effektivität, wenn die Teams aus Mitarbeitern mit unterschiedlichen Alters- und Qualifikationsstufen und aus verschiedenen Abteilungen oder Hierarchieebenen gebildet werden. Ein möglichst breiter Einbezug der vorhandenen Wissensressourcen fördert den Projekterfolg. Aus einzelnen Spezialisten wird ein schlagkräftiges Allround-Team.

Die Arbeitsorganisation ist nach der Hays-Studie immer noch sehr traditionell geprägt. Wer heute Teams von Wissensarbeitern organisieren will, sollte sich eher an globalen, rein virtuell interagierenden Unternehmen, ihrer Kommunikation und ihrem Workflow orientieren, statt die Konzeption von Altunternehmen nur leicht zu modernisieren. Genau an dieser Stelle stecken viele Firmen noch in ihrem Wandel zu einem knowledge-driven Business fest. Auch in Projekten wird noch überwiegend einzeln und über den Betrieb verteilt gearbeitet. Meetings und Kommunikation per Mail oder Telefon bilden das Bindeglied zwischen den Wissensarbeitern und lenken in der Praxis noch vornehmlich den Workflow. Eine Vielzahl an weiteren Möglichkeiten bleibt häufig ungenutzt und so wird viel Potential bei der teamgebundenen Wissensarbeit verschenkt.

Die wirklich effektive Organisation von Wissensarbeit nutzt auch Media-Sharing-Plattformen, Wikis oder Blogs, setzt auf die Integration von Collaboration-Tools und filtert jene Prozesse heraus, für die tatsächlich noch eine Face-to-Face-Kommunikation erforderlich ist. So können sich viele Branchen fit für eine Zukunft machen, die immer mehr von diesem wissensorientierten Ansatz bestimmt wird. Der IT-Bereich ist hier sicherlich bereits am stärksten entwickelt, aber auch für Marketing, Sales, Kundenberatung, Personal oder Forschung und Entwicklung kann die Wissensarbeit neue Impulse anbieten.

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